Biomechanik, Mechanobiologie und Praxisalltag

MRI der Kiefergelenke und Vorstellung weiterer Bildgebungen

 

 

Prof. Dr. Luigi M. Gallo, Zürich (CH)
OA PD Dr. Ansgar Rudisch, Innsbruck (AT)

Vorträge
Donnerstag, 06.04.2017 / 18.30 - 21.30 Uhr
Seminarraum 1. Stock, MZA, Anichstraße 35, 6020 Innsbruck

Vortragsinhalte
Biomechanik, Mechanobiologie und Praxisalltag (Gallo)

Eine gestörte Unterkieferbeweglichkeit ist eines der Leitsymptome der craniomandibulären Dysfunktion. Daher entstand das Interesse für die mandibuläre Kinematik. Diese lässt sich mittels moderner „Jaw-tracking“-Systeme vollständig erfassen und mit Hilfe biomechanischer Modelle (z.B. instantane Rotationsachse) in funktionellen und dysfunktionellen unbelasteten und belasteten Situationen komplett darstellen und analysieren. Dies ist bei Kaubewegungen besonders vorteilhaft.
Durch die Kopplung der echten Anatomie eines Probanden/Patienten mit der dazugehörigen mandibuläre Kinematik lässt sich u.a. die Relation zwischen den artikulierenden Oberflächen des Kiefergelenks nichtinvasiv, dreidimensional, und dynamisch visualisieren und vermessen („dynamische Stereometrie“). Mit dieser Methode wird die Gelenkbelastung nachgewiesen und physiologische und pathologische Zustände können erklärt werden. Dabei spielen Integrine bei der Empfindung von am Knorpel wirkenden mechanischen Reizen eine wichtige Rolle. Dadurch finden in den Knorpelzellen biologische Prozesse statt, die Gewebeauf- und abbau verursachen.
Ferner enstehen durch die präzise Kombination der Modelle der Zahnreihen mit der mandibulären Kinematik virtuelle Artikulatoren, welche die indivisualisierte und vollständige Replikation der dynamischen Okklusion auch in Relation zur echten Kondylenposition gestatten.
Beispiele von asymptomatischen Probanden bei funktionellen Bewegungen werden sowohl bei Jaw-tracking-Aufnahmen als auch anhand der dynamischen Stereometrie erläutert. Beispiele und Fälle aus dem klinischen Alltag (Einsatz von Okklusionsschienen, Biofeedback der Elevatoren, Effekte bei der Abdrucknahme, Einsatz von Implantaten usw.) werden mit den oben erwähnten  Methoden untersucht und besprochen.



MRI der Kiefergelenke und Vorstellung weiterer Bildgebungen (Rudisch)

Die MR-Tomographie ist als bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Kiefergelenke seit vielen Jahren etabliert und gut validiert.
Durch den guten Weichteilkontrast können sowohl die knöcheren Gelenkkörper als auch Diskus, Gelenkkapsel und Bandstrukturen gut dargestellt und beurteilt werden.
In dynamischer Bildaquisition werden Diskusverlagerungen mit oder ohne Reduktion diagnostiziert. Mit Hilfe flüssigkeitssensitiver Sequenzen und Knorpeldarstellung erkennt man Art und Ausmaß degenerativ-arthrotischer Veränderungen. Nach intravenöser Kontrastmittelapplikation werden arthritische, insbesondere rheumatische Schäden deutlich.
Auch die Sonographie kann zur Beurteilung von Kiefergelenken und Diskusposition herangezogen werden. Diese Methode ist jedoch sehr untersucherabhängig und bedarf großer Expertise und Erfahrung.
Zur Bewertung der Kiefergelenks-Arthrose ist die DVT (digitale Volumentomographie) eine weitere wichtige Untersuchungstechnik. Damit können besonders die knöchernen Strukturen mit hoher Ortsauflösung in dünnsten Schichten dargestellt werden.

Referenten
Prof. Dr. Luigi M. Gallo:

Per 1. August 2007 wurde Prof. Gallo an der Universität Zürich zum ausserordentlichen Professor ad personam für Physiologie und Biomechanik des Kausystems gewählt.
Der wichtigste Forschungsschwerpunkt von Prof. Gallo ist die muskuloskelettale Physiopathologie des Kausystems. Er hat u.a. innovative Methoden zur nichtinvasiven bildunterstützten Analyse der Biomechanik des Kiefergelenks («dynamische Stereometrie») entwickelt. Damit untersucht er Beanspruchungen und Überlastungen des Kauapparates. Mittels eigenentwickelter tragbarer Elektromyographie-Geräte ist es ihm und seinem Team heute möglich, die Aktivität der Kaumuskulatur im Alltag zu monitorisieren. Die enge Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe «Orofaziale Schmerzen» von PD Dr. Dr. D. Ettlin ermöglicht Synergien bezüglich Erforschung der neuralen Sensorik des Kausystems.
Per 1. April 2015 ist Prof. Gallo ordentlichen Professor ad personam. 2009 wurde ihm die interimistische Direktion der Klinik KFS-KAB des ZZM übertragen.

OA PD Dr. Ansgar Rudisch:

Promotion 1988 in Innsbruck.
Allgemeinmedizinische Ausbildung bis 1992 in Innsbruck, Bad Häring, Reutte, Hall i. T..
Facharztausbildung Radiologie 1993 bis 1999 in Innsbruck.
Habilitation zum Privatdozent am 20.04.2006.
Arbeitsgebiet ist die klinische MR-Bildgebung mit Schwerpunkten:
Muskuloskelettal - Abdomen - Hals - Kiefergelenk - Ortho - Trauma (spez. Hand, Schulter, Ellbogen, Hüfte, Knie, Sprung- und Fußgelenke)
Forschungsschwerpunkte:
Kinematographische MRI-Techniken.
Kiefergelenks-MRI mit klinischer Korrelation.

 

Fortbildungsstunden
Diese Veranstaltung ist für das Zahnärztliche Fortbildungsprogramm der Österreichischen Zahnärztekammer für das Fach Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mit 3 Fortbildungspunkten anerkannt.

 

Teilnahmegebühr
€ 40,-- für Mitglieder des VTZ und der ÖGZMK
€ 60,-- für Nicht-Mitglieder

Wir bitten - wenn möglich - um Ihre Anmeldung und Zahlung im Voraus.

Anmeldung
Verein Tiroler Zahnärzte
Ina Gstrein
Anichstraße 35
6020 Innsbruck
Mobil +43/(0)699/15047190
Fax    +43/(0)512/504-27616
Email: lki.za.vtz-office(at)tirol-kliniken.at

 

> zurück

 

> Online-Anmeldung